nervensäge im büro

Wir kennen ihn alle. Diesen einen Kollegen, bei dem die Luft schon ein bisschen dünner wird, sobald er den Raum betritt. Nicht aus Bosheit, sondern weil die Chemie einfach nicht knistert. Eher knirscht. Und trotzdem landet man mit genau diesem Menschen ständig in Projekten, Meetings oder an der Kaffeemaschine.

Im Coaching tauchen solche Fälle ständig auf. Und ganz ehrlich, es ist vollkommen normal, dass nicht jeder Mensch unser Lieblingsmensch wird. Wir haben schließlich alle unsere Ecken, Kanten und Eigenarten. Spannend wird es dort, wo wir lernen, trotzdem souverän miteinander klarzukommen, ohne innerlich die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.

Ein guter Anfang ist, sich selbst kurz zu beobachten. Was genau triggert dich denn. Seine Art zu reden. Sein perfekter Überblick über alles. Oder das genaue Gegenteil. Sobald du weißt, was in dir los ist, wird’s leichter. Du wirst weniger überrascht und reagierst bewusster.

Dann hilft ein kleiner Denk-Trick. Stell dir den Kollegen wie eine Figur aus einer Serie vor. Welche Rolle spielt er. Der leidenschaftliche Übermotivierte. Der pedantische Detailverliebte. Der wortkarge Tüftler. Wenn du ihn als Charakter betrachtest, verliert das Ganze schnell seine Schwere und manchmal musst du sogar ein bisschen grinsen.

Und ja, offene Worte wirken Wunder. Freundlich, klar, ohne Drama. Ein kurzes Ich brauche kurz einen Moment oder Lass uns das Stück für Stück sortieren kann mehr verändern, als man denkt. Die meisten Menschen wollen nämlich gar nicht nerven. Sie ticken einfach anders.

Das Zauberwort bleibt aber Grenzen. Nicht hart, nicht patzig, sondern ruhig und deutlich. Sie helfen dir, bei dir zu bleiben, und geben dem anderen Orientierung. Grenzen sind weniger Stopp-Schild und mehr Wegweiser.

Und irgendwann passiert’s: Der Kollege bleibt derselbe, doch die Stimmung kippt. Statt angespannt wirkt es neutral, manchmal sogar überraschend entspannt. Und wenn man es lange genug übt, entsteht zwischen euch vielleicht sogar ein leiser Respekt.

Kurios, aber wahr. Gerade die Menschen, die uns im Alltag am meisten fordern, sind oft die, an denen wir am meisten wachsen.